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TU Berlin

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Ökologische Begleitforschung zur Windenergie-Nutzung im Offshore-Bereich der Nord- und Ostsee – Teilprojekt: Instrumente des Umwelt- und Naturschutzes

Projektdaten
 
 
Förderung:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (FKZ 0327531)
Projektträger:
Projektträger Jülich
Gesamtleitung und Koordination:
Prof. Dr. Johann Köppel
Dr. Wolfgang Peters
(FG Umweltprüfung und Umweltplanung)
Bearbeitung:
Technische Universität Berlin
Dipl.-Ing. Elke Bruns
Dipl.-Ing. Alexandra Langenheld
Dr. Wolfgang Peters
Dipl.-Ing. Wolfgang Wende

Planungsgruppe Ökologie und Umwelt
Dietrich Kraetzschmer

Studentische Mitarbeiterinnen
Antje Finger
Stefanie Sommer

Diplomarbeiten
Alexandra Dessombes
Oliver Keller
Antje Rieger
Ines Steinhauer

Universität Rostock Ostseeinstitut für Seerecht und Umweltrecht
Prof. Dr. Wilfried Erbguth
Dr. Chris Müller

Lauzeit:
Januar 2002 bis Juni 2003
Projektbericht:
FP Offshore Band I Diskussionsplattform

FP Offshore Band II UVP

FP Offshore Band III FFH-VP

FP Offshore Band IV SUP

Problemstellung

Offshore-Windpark Middelgrunden in Dänemark
Lupe

Die Diskussion um Offshore-Windenergieanlagen in der deutschen Nord- und Ostsee wird aktuell als Beitrag zum Klimaschutz und energiepolitische Alternative zur Atomenergie geführt.
Allein für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) – die AWZ liegt außerhalb der küstennahen 12 SM-Zone – liegen bereits 30 Anträge für Windparks zur Genehmigung vor (Stand: Mai 2002). Das zuständige Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigte den ersten Pilot-Offshore-Windpark mit 12 Windenergieanlagen im November vergangenen Jahres nördlich vor Borkum.

Beantragte Offshore-Windparks in der Nordsee
Lupe

Die technische Entwicklung geht in Richtung 5 Megawatt-Anlagen, gegründetin einer Wassertiefe von bis zu 40 m. Die im Vergleich zum Festlandbedeutend höheren Kosten für die Stromübertragung mittels Seekabel undfür die Fundamente gilt es durch leistungsstärkere Windenergieanlagenzu kompensieren. Entsprechende Anlagen erreichen eine Höhe von bis zu160 m über dem Meeresspiegel.

Offshore-Windenergieanlagen bedeuten eine erneuerbare und dennoch nichtkonfliktfreie Form der Energieerzeugung. Die konkurrierenden Interessenund Nutzungen sind in das in der AWZ auch für Windenergieanlagenvorgeschriebene Genehmigungsverfahren nach Seeanlagenverordnung(SeeAnlV) einzustellen. Zu berücksichtigen sind im Rahmen derStandortwahl wie auch während der Bauphase und des Betriebs die Belangeder Schifffahrt, der Wirtschaft (z. B. Fischerei, Abbau vonBodenschätzen), der militärischen Nutzung des Meeres sowie nichtzuletzt des Umwelt- und Naturschutzes.

Darüber hinaus sind analog der Windenergienutzung an Land mit der Ansiedlung von Windparks auf See auch innere Zielkonflikte zwischen einzelnen Belangen des Umwelt- und Naturschutzes verbunden. Seitens des Naturschutzes wird z. B. auf die mögliche Divergenz des Klimaschutzes zum Schutz der Biodiversität (Meeresumwelt, Avifauna) hingewiesen.

Auswirkungen auf die Meeresumwelt können beispielsweise sein:

  • Avifauna (Zug-, Rastvögel): Vogelschlag, Barrierewirkung, Scheuchwirkung, Vergrämungseffekte, Lebensraumverlust;
  • Meeressäuger: Belastungen durch Schattenwurf, Schall und Schwingungen,elektromagnetische Felder, Vergrämungseffekte, Lebensraumverlust;
  • Fische: Belastungen durch Schattenwurf, Schall und Schwingungen,elektromagnetische Felder, Sedimentfahnen;
  • Benthos: Überbauung durch Fundamente, Veränderung der Artdiversität durchEinbringen von Hartsubstraten, Belastungen durch Sedimentfahnen;
  • Landschaftsbild: Beeinträchtigungen durch die Technisierung der offenen Seelandschaft;
  • Wasserqualität: Eintrag von Schadstoffen durch Schiffskollisionen;
  • Wasserkörper: Beeinträchtigung der Strömungsverhältnisse und der Schichtung (Ostsee).

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Forschungsprojekt

Im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms (ZIP) der Bundesregierung (BMU/ BMWi) wird der Ausbau der Windenergienutzung in der AWZ durch eine Vielzahl von Forschungsvorhaben begleitet. In diesem Zusammenhang befasst sich ein Teilbereich des Forschungsprogramms des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit der „Ökologischen Begleitforschung zur Offshore-Windenergienutzung“.
 
Das BMU fördert im Rahmen der „Ökologischen Begleitforschung“ Forschungsprojekte, die einerseits Daten „zur Ausweisung von Schutzgebieten nach § 38 BNatSchG und zur Ausweisung und Fortschreibung von besonderen Eignungsgebieten nach § 3a SeeAnlV“ erheben sowie andererseits für die am Genehmigungsverfahren beteiligten Bundesbehörden wissenschaftliche Informationen für einen „umwelt- und naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergienutzung“ entwickeln.

Aus Gründen der Umweltvorsorge ist es insbesondere dringlich, die Umweltplanungs- und Folgenbewältigungsinstrumente – Verträglichkeitsprüfung (FFH-VP), UVP, Strategische Umweltprüfung (SUP) – optimal an das Genehmigungsverfahren der Offshore-Windparks nach SeeAnlV anzupassen sowie auf die spezifischen ökosystemaren Bedingungend es marinen Bereichs zuzuschneiden. SUP, UVP und FFH-VP sollen sozusagen „seegängig“ gemacht werden. Hierzu wurde an das Institut für Landschafts- und Umweltplanung der Technischen Universität Berlin ein Forschungsvorhaben vergeben, das derzeit in Kooperation mit der Planungsgruppe Ökologie + Umwelt Hannover sowie dem Ostseeinstitut für Seerecht und Umweltrecht der Universität Rostock in den Arbeitsbereichen FFH-VP, SUP, UVP bearbeitet wird.

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Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)

Seitens des BSH existiert das „Standarduntersuchungskonzept für die Untersuchung und Überwachung der Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf die Meeresumwelt“. Das Standarduntersuchungskonzept ist als eine wichtige methodische Grundlage für die Erstellung der entscheidungserheblichen Informationen im Rahmen der UVP anzusehen. Das Konzept richtet sich vor allem auf methodische Fragen der Bestandserhebung für das Makrozoobenthos, Fische, Vögel, Meeressäuger und die Prognose von Wirkungen auf das „Landschaftsbild“. Da das Untersuchungsprogramm nicht im Hinblick auf die Anforderungen nach UVPG erarbeitet wurde, sind nicht alle Schutzgüter nach UVPG systematisch behandelt und einige wichtige UVP-relevante Fragen hinsichtlich der Bewertung und der Bewertungsmaßstäbe der Auswirkungen von Windenergieanlagen offengelassen. Hierzu sollen im Rahmen des Forschungsvorhabens entsprechende Erkenntnisse gewonnen werden.

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FFH-Verträglichkeitsprüfung (FFH-VP)

Nach dem erst nach der Novellierung des BNatSchG die Möglichkeit geschaffen wurde, auch in der AWZ „geschützte Meeresflächen“ als Gebiete des Netzes „Natura 2000“ auszuweisen, befindet sich die Auswahl und Abgrenzung der Flächen sowie die Entwicklung von Erhaltungszielen derzeit noch in den Anfängen. Eine erste Gebietskulisse von „NATURA 2000-Gebieten“ soll bis Ende November vorgelegt werden. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass der Prüfgegenstand der FFH-VP –„werden durch einen Plan oder ein Projekt die Erhaltungsziele eines NATURA 2000-Gebietes erheblich beeinträchtigt?“ – bislang nicht definiert ist. Da neben Projekten auch Pläne einer FFH-VP zu unterziehen sind, sind neben den Anträgen für Windenergieanlagen auch die Planungen zur Festlegung der „besonderen Eignungsgebiete“ zu prüfen. Für das Forschungsprojekt ergibt sich daher die Aufgabe, zwei Verfahrensvorschläge mit abgeschichteten inhaltlichen Anforderungen zu entwickeln.

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Strategische Umweltprüfung (SUP)

Da die Umsetzungsfrist der „Richtlinie 2001/ 42/ EG vom 27. Juni 2001 über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme“ (SUP-Richtlinie) noch nicht abgelaufen ist, bestehen für die derzeitigen Planungsaktivitäten für Offshore-Windparks in der AWZ noch keine formalen Verpflichtungen zur Durchführung einer SUP. Abhängig von dem zeitlichen Horizont der Planungen ist jedoch eine SUP-Pflicht zumindest für Teile dieser Aktivitäten zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschließen, da beispielsweise nicht gewährleistet ist, dass die Festlegung der Eignungsgebiete bis zum Ablauf der Umsetzungsfrist abgeschlossen ist. Potenzielle Anwendungsbereiche der SUP wären demnach nicht nur die Auswahl der „besonderen Eignungsgebiete“, sondern ggf. auch die Ausweisung von Korridoren für die Leitungsanlagen (seeseitig), die Ausweisung von Standorten innerhalb der 12 Seemeilen-Zone sowie die Netzanbindungen (landseitig). Prüfungsgegenstände der SUP und der dabei erforderlichen Alternativenprüfung können künftig die Lage und die Größe von Eignungsgebieten, die Anordnung der Offshore-Windparks zueinander, insbesondere deren Bündelung und die Bündelung von Leitungstrassen, sowie ggf. auch das Potenzial technischer Varianten sein.

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Systematisierung der Wirkungszusammenhänge

Um die inhaltlichen Anforderungen an die drei Instrumente UVP, FFH-VP undSUP systematisch zu erfassen und zu entwickeln, wird ausgehend von den typischen mit Offshore-Windenergieanlagen verbundenen Wirkfaktoren ein Ursache-Betroffenen-Wirkungsnetz erarbeitet, das als Diskussionsgrundlage für die Abstimmung der inhaltlichen Anforderungen dient und im Rahmen des Scopings als Vorlage für die Festlegung des Untersuchungsrahmens dienen kann.

Neben den eigentlichen Wirkungszusammenhängen werden dabei auch die methodischen Anforderungen zu deren Erfassung und Prognose dargestellt sowie Bewertungsmaßstäbe zur Bewertung (in Form von Rahmenskalen) vorgeschlagen. Parallel dazu werden Vorschläge zur Vermeidung und Minderung der negativen Auswirkungen entwickelt, die an den Ursachen der Wirkfaktoren ansetzen und technische Modifikationsmöglichkeiten der Anlage, des Baus und des Betriebs aufzeigen, die zu geringeren Umweltauswirkungen führen.

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Ausblick

Der Ausbau der Offshore-Windenergie wird unterstützt durch das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG), das Produzenten die Stromabnahme unter günstigen Einspeisungspreisen garantiert, sofern die entsprechenden Anlagen bis Ende 2006 installiert werden. So ist derzeit ein gewisses Rennen entstanden, den Bau solcher Windparks bis zu diesem Zeitpunkt auch fertig stellen zu können. Insofern bleibt zu wünschen, dass die sehr sorgfältig auf den Weg gebrachte „Ökologische Begleitforschung“ noch rechtzeitig zu anwendbaren Resultaten gelangen wird. Dies gilt nicht zuletzt für die hier beschriebene und durch das BNatSchGNeuregG weitgehend ermöglichte, aber noch zu spezifizierende Anwendung der Instrumente der Umweltplanung und -folgenbewältigung.

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